Dienstag, 2. Dezember 2014

Deutschlands Tanz aus der Reihe schadet Europa


Paul Krugman hat das schön dargestellt:
Der Sachverhalt ist einfach aber wichtig. Nach der Einführung des Euro haben sich Ungleichgewichte gebildet, die mit der Überflutung der Peripherie mit Kapitalzuflüssen einhergingen. Diese Ungleichgewichte sind durch eine extrem schmerzhafte und sehr kostspielige Deflation unter Kontrolle gebracht worden. Wenn wir den Zeitraum von 1999 bis jetzt betrachten, hatte der größte Teil Europas Kostensteigerungen und Inflationsraten die ungefähr den langfristigen Zielvorstellungen der Europäischen Zentralbank entsprachen: einer etwas unter zwei Prozent liegenden Inflationsrate. Es gibt aber eine große Ausnahme:
Lohnstückkosten (blau) und Preisentwicklung (rot), Quelle: Link nach OECD- und IMF-Daten.
Damit ist das europäische Ungleichgewicht ein deutsches Problem, verursacht durch die fortwährende Verletzung des Inflationsziels das der Euro erforderlich macht. Die zu niedrige Inflationsrate in Deutschland führt zu einem Deflationsexport in den Rest Europas. Im Gegensatz dazu haben sich Frankreich, Spanien, und sogar Italien an die Spielregeln gehalten.
Die schwarze Null ist zum schämen.

Kommentare:

  1. Kurz, knapp und gut. Was will man mehr. Mein Glückwunsch.

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  2. Der Sachverhalt ist einfach, aber wichtig...und in Deutschland scheinbar völlig unbekannt. Ich habe den Eindruck, dass diese Sichtweise auf die Probleme noch nicht mal abgelehnt wird, sondern gar nicht erst den Eingang in den hiesigen öffentlichen Diskurs findet.
    Das Narrativ, der über ihre Verhältnisse gelebten Südländer, die jetzt nun mal - völlig alternativlos - ihre schmerzhaften Hausaufgaben zu machen haben, ist bereits axiomatisches Allgemeingut geworden - so zumindest mein Eindruck.
    Wenn man die deutsche und die englischsprachige Presse verfolgt, hat man nicht selten das Gefühl, auf unterschiedlichen Welten zu leben.

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    1. "...sondern gar nicht erst in Erwägung ..."

      Sie sehen das wohl richtig. Ein Beispiel gibt der Sachverständigenrat im entsprechenden 4. Kapitel seines diesjährigen Gutachtens:

      " Mitgliedstaaten wie Italien und Frankreich können mit einer konsequenten reform- und Konsolidierungspolitik zu einer dauerhaften Verbesserung der Wirtschaftslage beitragen. Die Bundesregierung sollte sich deshalb verstärkt für eine solche Politik einsetzen – und selbst mit gutem Beispiel vorangehen."

      Aber das wäre genau das falsche: Die Kluft würde größer. Deutschland sollte expandieren (und Lohnerhöhungen anstreben) um seine Außenseiterrolle zu verlieren, die anderen sollten sich eher zurückhalten. Das Preisniveau bestimmt sich über den Euro.

      Das alles ist nicht neu, siehe z.B. diesen früheren Post .

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